Das neue Kreuz in der Pausenhalle

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Um Neues zu entdecken oder Vertrautes mit anderen Augen zu sehen, braucht es manchmal einen Perspektivwechsel. Ein neuer Ort eröffnet uns neue Gedanken und Ideen. Aber auch ein vertrauter Ort kann sich verändern, wenn wir ihn aus einer anderen Perspektive betrachten.

Der Perspektivwechsel ist eines der wesentlichen Momente der Kunst. Auch wenn Kunst etwas Zeitloses in sich trägt, lebt sie doch vom Wandel der Stile und Formen. Sie fordert uns heraus, immer wieder neu hinzusehen, aufmerksam zu bleiben und Gewohntes zu hinterfragen. Zu einem solchen Perspektivwechsel lädt nun auch die Pausenhalle der Bischof-Neumann-Schule ein.

Schon lange begegnen uns im Eingangsbereich unserer Schule zwei besondere Zeichen: die Uhr und das Kreuz. Die Uhr gibt den Takt des Schulalltags vor. Sie steht für das Vergehen der Zeit, für Fortschritt und Zukunft. Das Kreuz erinnert uns daran, dass unser Leben und Lernen noch eine andere, ewige Dimension haben.

Das Kreuz zeigt, wes Geistes Kind wir sind. Als christliche Schule in katholischer Trägerschaft wissen wir uns der Botschaft Jesu verpflichtet. Sie prägt unseren Blick auf die Welt, unseren Schulalltag und unser Miteinander, manchmal offensichtlich, manchmal eher im Verborgenen.

Das Kreuz ist deshalb weit mehr als ein künstlerisch gestaltetes Objekt. Es ist Zeichen der Erinnerung und zugleich ein Maßstab, an dem sich unser Denken und Handeln messen lassen müssen.

Zehn Jahre lang prägte die Replik einer alten Christusfigur die Eingangshalle unserer Schule. Eindrücklich führte sie uns den leidenden Menschen Jesus am Kreuz vor Augen. Zugleich erzählte sie von der Menschlichkeit Gottes: von einem Gott, der in Jesus unser Leben teilt, bis hinein in Leid und Tod.https://www.bns.info/index.php/schulleben/events/142-schulleben/435-feierliche-enthuellung

Nun haben wir uns ganz bewusst für eine andere Darstellung des Kreuzes entschieden. Nicht, weil die bisherige Botschaft an Bedeutung verloren hätte, sondern weil wir sie neu entdecken möchten. Ein anderer Blick auf das Kreuz kann uns helfen, auch die Botschaft Jesu als Fundament unseres Handelns neu wahrzunehmen.

Das neue Kreuz besteht aus einem schlichten Stahlrahmen. Bewusst nimmt es Farbe und Materialität der Uhr auf. Zeit und Ewigkeit sind komplementär. Das Kreuz zeichnet lediglich die Umrisse der Kreuzform nach und lässt den Blick auf das frei, was dahinterliegt: die ziegelrote

Wand, ein vertrautes Erkennungszeichen der BNS.Es tritt nicht an die Stelle unserer Schulwirklichkeit. Es legt sich vielmehr wie eine neue Perspektive über sie. Es schreibt sich in unseren Alltag ein und lässt zugleich diesen Alltag durch sich hindurch sichtbar werden, vielleicht sogar in einem neuen Licht erstrahlen.

So wird das Kreuz zu einem Schaufenster, durch das wir unsere Wirklichkeit anders sehen können: im Licht des immerwährenden Dialogs zwischen Gott und Mensch.

Fünf sichtbare Schrauben verankern das Kreuz im Mauerwerk. Sie sind bewusst nicht verdeckt.

In ihnen klingen die fünf Wundmale Jesu an, wie wir sie aus der traditionellen Darstellung des Gekreuzigten kennen.

Diese Wundmale erzählen auf eindringliche Weise von der Menschwerdung Gottes. Gott geht aufs Ganze, um uns Menschen nahe zu sein. Nicht nur in Worten und Wundern, nicht nur im göttlichen Glanz, sondern gerade auch dort, wo das Leben verwundbar ist: im Schmerz, im Leiden, in unserer Endlichkeit.

Die Wundmale verankern den Gottessohn mitten in der Wirklichkeit unserer Welt. Zugleich werden sie zu Zeichen der Hoffnung. Denn der Gott, der unsere Verwundbarkeit teilt, lässt uns nicht allein. Am Ende des Matthäusevangeliums spricht der auferstandene Jesus seinen Jüngern eine Zusage zu, die bis heute auch uns gilt: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20)

So lädt das neue Kreuz alle Menschen an der BNS zu einer Entdeckungsreise ein. Seine offene Form, die sich an der Architektur unserer Schule orientiert, schafft Raum für neue Gedanken, Fragen und Deutungen. Sie will jeden Tag neu mit Leben gefüllt werden, in den hellen und dunklen Momenten, an besonderen Tagen und mitten im gewöhnlichen Schulalltag.

„Prüft alles und behaltet das Gute“ (1 Thess 5,21): unser Schuljahresmotto für 2026/27 findet in diesem neuen Kreuz einen sichtbaren Ausdruck. Denn das Gute zu bewahren bedeutet nicht, an allem Alten festzuhalten. Es bedeutet vielmehr, immer wieder neu zu fragen, was wesentlich ist, was trägt und was bleiben soll. Die Botschaft Jesu, die unsere Schule seit ihren Anfängen vor achtzig Jahren prägt, bleibt unser Fundament. Doch wir sind immer wieder neu herausgefordert, sie für unsere Zeit zu verstehen und in unserem Miteinander lebendig werden zu lassen.

Das neue Kreuz ist deshalb nicht nur ein Zeichen der Veränderung, sondern gerade auch ein Zeichen der Kontinuität. In einer neuen Form macht es das sichtbar, was unserer Schule seit jeher wichtig ist und was auch in Zukunft ihr Fundament bleiben soll.

Das Kreuz bleibt. Aber unser Blick darauf kann sich verändern. Und vielleicht verändert sich damit auch unser Blick aufeinander, auf unsere Schule und auf Gott.

Auch das bisherige Kreuz bleibt unserer Schule erhalten. Es hat einen neuen Platz in der Seitenkapelle der Kollegskirche gefunden und bildet dort einen geistlichen Orientierungspunkt. Diesen Raum möchten wir nach und nach wieder mit Leben füllen und neu als Teil unserer Schulkirche entdecken.

2026_10_23 Neues Kreuz